Werkzeugbox. Jugend gerecht werden
Politik & Verwaltung

Wie können Jugendliche beteiligt werden?

Wenn Sie Jugendliche als Akteure der Stadtentwicklung und -planung ernstnehmen wollen, gibt es hierzu viele gute Handreichungen zur Umsetzung. Wir empfehlen Ihnen verschiedene Arbeitshilfen und Plattformen, die Informationen zur Verfügung stellen.

Jugendbeteiligung

Kompass – Jugendliche und Stadtentwicklung

Zahlreiche erfolgreiche Projekte der letzten Jahre liefern lebendige Beweise, dass Projekte von und mit Jugendlichen ein Gewinn für die Stadtentwicklung sind. Häufige Einwände gegen Jugendprojekte in der Stadtentwicklung sind: „Jugendbeteiligung bringt ja nichts Dauerhaftes. Sie ist zu teuer. Der personelle Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.“ Das mag richtig sein, wenn eine Beteiligung nur als Alibi durchgeführt wird – ohne Überzeugung, zu spät, zu kurz, an ungeeigneten Orten und mit den falschen Fragestellungen. Wer aber Jugendliche ernst nimmt und strategisch in Stadtentwicklung einbezieht, der kann ganz andere Erfahrungen machen.

Seit 2009 hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Forschungsfeld „Jugendliche im Stadtquartier rund 50 Modellvorhaben begleitet und untersucht, um Möglichkeiten und neue Wege der Einbeziehung Jugendlicher in die Stadtentwicklung zu erproben.

Der daraus resultierende „Kompass“ basiert auf den Erfahrungen, die aus der Modellvorhabenforschung gewonnen wurden. Er bietet Anregungen und Navigationshilfen für die praktische Arbeit der Planungsverwaltungen in deutschen Städten. Im „Meer“ der zahlreichen Möglichkeiten, Stadtentwicklung mit Jugendlichen zu gestalten dient er zur Richtungsbestimmung und Orientierung. Dabei hilft er, sich dem Ziel einer Jugendbeteiligungskultur anzunähern und „Untiefen“ oder „Stolpersteinen“ auszuweichen.

jungbewegt

Die Bertelsmann Stiftung stellt unter „jungbewegt“ etliche kostenfreie und sehr hilfreiche Informationen und Downloads zur Verfügung, u.a.

„jungbewegt – Dein Einsatz zählt“ war ein Projekt der Bertelsmann Stiftung, das im Jahr 2008 ins Leben gerufen wurde und bis zum Juni 2015 lief. Hierbei wurden die Ergebnisse der Initiative „mitWirkung!“ aufgegriffen. Außerdem orientiert sich jungbewegt an der britischen Citizenship Foundation, die 2007 mit dem Carl Bertelsmann-Preis ausgezeichnet wurde.

Beteiligungsbausteine

Die Beteiligungsbausteine des Deutschen Kinderhilfswerkes wenden sich an Fachleute in Wissenschaft und Praxis, das haupt- und ehrenamtliche Personal der Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Jugendverbände und Vereine. Die Bausteine untergliedern sich in Grundlagen, Strategien und Aktionsfelder. Innerhalb dieser Hauptbestandteile finden sich theoretische Grundlagen, Praxisbeispiele, Handreichungen und vieles mehr.

Die Beteiligungsbausteine gehen auf ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördertes Projekt "Beteiligungskiste" zurück, in dem insbesondere die methodischen Ansätze und Arbeitshilfen im Mittelpunkt standen. Dort wurden sie 2007 erstmalig veröffentlicht.

der Demokratieführerschein

Der „Demokratieführerschein – Der Führerschein zum Mitmischen in deiner Stadt!“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes ist ein außerschulisches Konzept, mit dem junge Menschen ein von ihnen selbstgewähltes Projekt bzw. Anliegen aktiv kommunalpolitisch verfolgen.

Die Durchführung vor Ort erleichtert der Konzept-Ordner „Demokratieführerschein“, in dem der Leitfaden des modularen Konzepts ausführlich vorgestellt wird. Der Ordner kann kostenfrei über den Deutschen Volkshochschul-Verband bestellt werden.

Die Ergänzung „Demokratieführerschein 2.0“ bietet eine Übersicht über online-gestützte Methoden und Werkzeuge. Die unterschiedlichen Anwendungen, wie z. B. digitale Pinnwände, QR-Codes oder Online-Petitionen, werden dort sehr übersichtlich und tabellarisch vorgestellt.

Entwickelt wurde das Konzept des Demokratieführerscheins im Rahmen der Initiative „demokratie leben“ der Landeszentrale für politische Bildung NRW vom Landesverband der Volkshochschulen in NRW als Kursangebot für Jugendliche und junge Erwachsene zur „Demokratiekompetenz“. 2008 ging es an den Start. 

jugend.beteiligen.jetzt

Know-how, Methoden und Werkzeuge zu digitaler Jugendbeteiligung sowie eine Projektlandkarte mit guten Praxisbeispielen stehen auf der Plattform jugend.beteiligen.jetzt zur Verfügung. Das gleichnamige Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) und IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit setzt sich dafür ein, dass Jugendliche zukünftig auf digitalen Wegen mehr an Politik und Gesellschaft beteiligt werden.

Jugendforen für Demokratie

Der Leitfaden von "Demokratie leben!" versteht sich als Praxishilfe dafür, den Weg einer nachhaltigen und tatsächlichen Beteiligung junger Menschen zu gehen, um langfristig gesellschaftlich relevante Meilensteine einer demokratischen Kultur, wie sie in den Zielsetzungen des Bundesprogramms „Demokratie leben!” ausgedrückt sind, zu erreichen. Die Methoden und Beispiele sollen zum individuellen Austesten, kommunalen Implementieren und gebietsübergreifenden Reflektieren anregen.

Die vorgestellten Praxisbeispiele und die Grundlagen des Leitfadens zeigen, dass der Aufbau von funktionierenden und tatsächlich partizipatorischen Strukturen der Jugendbeteiligung möglich ist und können abhängig von der jeweiligen Lage vor Ort direkt, angepasst oder miteinander kombiniert  übertragen werden.

Förderung demokratischer Partizipation junger Menschen

Im Fokus der Empfehlungen zur Förderung demokratischer Partizipation junger Menschen stehen die Voraussetzungen für eine nachhaltige und gelingende Beteiligung von Jugendlichen an kommunaler Öffentlichkeit, durch digitale Medien, in Institutionen und an demokratischen Entscheidungen. Zudem werden auch die Handlungsbedarfe zur Förderung demokratischer Partizipation von Jugendlichen durch Länder, Bund und EU in den Blick genommen.

Expertinnen und Experten der Arbeitsgruppe „Beteiligungschancen und -anlässe im politischen und öffentlichen Raum“ (im Rahmen der Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik) haben ihre umfangreichen Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Jugendverbandsarbeit und Jugendbildung, Wissenschaft und Partizipationsberatung, Politik und Verwaltung in folgende Empfehlungen eingebracht.

Die Grundsätze und Ziele einer Eigenständigen Jugendpolitik wurden im Rahmen eines dreijährigen Dialogprozesses entwickelt. Alle Ergebnisse und Inhalte finden Sie übersichtlich dargestellt in der Publikation „Eigenständige Jugendpolitik – Dialogprozess, Leitlinien, Herausforderungen“.

Praxishandbuch "Partizipation von Kindern und Jugendlichen"

Im online verfügbaren Praxishandbuch "Partizipation von Kindern und Jugendlichen" findet sich die geballte Praxiserfahrung des Instituts für Jugendhilfe und Kommunalberatung von Prof. Dr. Waldemar Stange. Zur Einführung wird der Begriff Partizipation und verschiedene Partizipationsformen geklärt. Zudem werden die zahlreichen Vorteile wirksamer Beteiligungsverfahren aufgeführt. Den Schwerpunkt des Handbuchs bilden die Praxisbeispiele aus der Region Lüneburg. Weitere Kapitel widmen sich den Knackpunkten, die zu berücksichtigen sind, sowie den Gelingensfaktoren von Beteiligung. Abschließend finden sich noch eine Checkliste, eine Übersicht über relevante Gesetze und Qualitätskriterien für eine gute Beteiligungspraxis sowie Verweise auf Moderatorinnen und Moderatoren vor Ort sowie eine Literaturliste. Auf gut 144 Seiten wird somit fast jede Frage, die man zu Jugendbeteiligung haben kann, beantwortet.